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Museum Pankow Handwerk

Handwerk

Handwerk im Bezirk Pankow

[ 7 Objects ]

33er Bacigalupo Trompetenorgel mit Wagen von Heinz Nerger und Zubehör

Diese Drehorgel stammt aus der Werkstatt von Giovannni Bacigalupo (1896-1934) in der Schönhauser Allee 79. Doch nicht dessen Initialen sind auf der Orgel sichtbar, sondern die seines Schwagers Luigi, der die Werkstatt seit 1934 weitergeführt und die Orgel in den 1960er Jahren vermutlich überarbeitet hat. Das Herstellungsjahr des Instruments ist nicht genau überliefert, kann aber nicht vor 1929 gelegen haben.
Heinz Nerger (1917-2008), ein Freund Luigi Bacigalupos, half dessen Witwe im Jahre 1968 die Werkstatt aufzulösen. Als Dank schenkte sie ihm diese 33er Trompetenorgel. Die Bezeichnung 33er bezieht sich auf die 33 Tonstufen, über die diese Orgel verfügt.
Zur Drehorgel gehören außer der enthaltenen noch zwei Musikwalzen sowie die von Heinz Nerger benutzte Decke.
Der Pankower Bürger Heinz Nerger galt als Berliner Original und war ein passionierter Drehorgelspieler. Im Osten Berlins war er über Jahrzehnte hinweg als "Latschenpaule" bekannt und unterwegs. Von vielen wird er als der letzte Drehorgelspieler alter Schule angesehen.
Das Instrument kam 2010 in das Museum Pankow. Dazu gehören der Stoffbezug, den Heinz Nerger verwendete und weitere Musikwalzen von ihm.

33er Bacigalupo Trompetenorgel mit Wagen von Heinz Nerger und Zubehör

Wandhalterung mit Drachendarstellung aus dem Patrizierhaus

Diese Kunstschmiedearbeit mit gestalteten Drachenmotiven stammen aus dem Patrizierhaus, Dietzgenstraße 51-53 in Berlin-Niederschönhausen.

Von 1851 bis 1868 war der Fabrikant und Kunstschlossermeister Hauschild Eigentümer des o. g. Grundstücks, auf dem er auch seine Kunstschlosserwerkstatt einrichtete.
Nach Eigentümerwechseln war die Werkstatt meist vermietet.

An den Wandhalterungen fanden wir runde Stanzungen mit dem Namen Paul Koch und die Zahlen 1828755.
Die Wandhalterung könnte ein Werk von Paul Francesco Koch (1845-1886) sein. Er war Bildhauer und Kunstgewerbler, erhielt seine Ausbildung in Berlin, wirkte dann in Weimar, Hamburg, Dresden und Nürnberg. Dort gründete er 1884 ein Atelier für Kunstgewerbe und Dekoration.

Das Patrizierhaus in der Dietzgenstraße wird bis heute nach seinem Vorgängerbau "Holländerhaus" genannt.

Wandhalterung mit Drachendarstellung aus dem Patrizierhaus

Hutformen und Rahmen der Hutmacherei Klüver

Diese Holzformen dienten dem Hutmacher Paul Klüver zur Herstellung von Hüten. Am 1.10.1901 gründete er in der Schönhauser Allee 44 seine Hutfabrikation und verkaufte in dem dazugehörigen Geschäft maßgeschneiderte Hüte aus eigener Produktion sowie verschiedene Herrenartikel u. a. Hemden und Kragen der Marke Dornbusch, der heutigen Seidensticker GmbH & Co KG. Zusätzlich bot er die Reparatur und den Verleih von Hüten an. In den 1920er Jahren florierte das Geschäft. Im April 1933 bezog Hutmacher Klüver größere Räume in der Schönhauser Allee 45. In den Folgejahren beschränkte sich die Herstellung von Hüten immer mehr auf exklusive Sonderanfertigungen, lediglich Schülermützen wurden noch in großer Stückzahl gefertigt.
Im Zweiten Weltkrieg kam die Produktion fast vollständig zum Erliegen.
Im Jahre 1951 starb der Firmeninhaber. Für das private Einzelhandelsgeschäft, welches zunächst von Ehefrau und Tochter weitergeführt wurde, verschlechterte sich die Geschäftslage in der DDR zunehmend. Am 30.4.1958 erfolgte die Schließung des Hutmachergeschäftes Paul Klüver.

Hutformen und Rahmen der Hutmacherei Klüver

Herrenjacke, in Heimarbeit genäht, 1980er Jahre

Diese Jacke wurde zwischen 1985 und 1987 in der Nähe des Helmholtzplatzes in Prenzlauer Berg hergestellt. In ihrer Wohnung im Quergebäude der Schliemannstraße 39 produzierte Anne D. in Heimarbeit Kleidungsstücke, darunter Kleider und Jacken.
Infolge des geringen Warenangebotes in der DDR, insbesondere an individuell gestalteter Kleidung, entwickelte sich bis 1989, wie für andere Konsumgüter auch, ein grauer Markt für den Bezug von Kleidungsstücken.
Nach einer kurzen Einweisung bei einer Schneiderin begann Anne D. mit der Herstellung von Kleidungsstücken und verkaufte diese in Ostberlin und dem Umland, beispielsweise am Rande von Stadtfesten oder Musikveranstaltungen, u. a. auf der Radrennbahn in Berlin-Weißensee. Insbesondere in den Sommermonaten konnte sie von dieser Arbeit gut leben und erzielte an Wochenenden bis zu 1.500 Mark Umsatz.
Die Suche nach geeigneten Stoffen und Accessoires, darunter Knöpfen und Klettverschlüssen war sehr zeitaufwendig. Vieles davon beschafften Freunde aus Westdeutschland. Oftmals gelang es, über persönliche Beziehungen zu Künstlern und Theaterschaffenden, Materialen aus dem Großhandel zu erhalten.
Die Händler bildeten eine eigene Szene. Man kannte sich, wenn auch die Bezugsquellen zumeist verschwiegen wurden.

Aufgrund ihrer Herkunft als Tochter eines selbständigen Handwerkers blieb Anne D. zunächst die Zulassung zum Abitur verwehrt. Seit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR im Jahre 1976 engagierte sie sich in oppositionellen, insbesondere kirchlichen Friedensgruppen, darunter der Initiativgruppe Frauen für den Frieden. Der Besuch einer staatlichen Hochschule war Anne D. nicht möglich und sie begann zunächst am Theologischen Seminar in Leipzig, später am Evangelischen Sprachenkonvikt in Berlin Theologie zu studieren. Nach dem Studienabbruch arbeitete die gelernte Medizinisch Technische Assistentin unter anderem als Putzfrau in Privathaushalten. Bewerbungen in Kliniken oder auch bei der Volkssolidarität wurden aufgrund ihres Lebenslaufes zurückgewiesen, eine Anstellung bei einem Kinderbuchverlag war nur von kurzer Dauer. Schließlich fand sie als Hilfskraft eine Anstellung in einem evangelischen Kindergarten in der Winsstraße in Prenzlauer Berg.
Von 1987 bis zur friedlichen Revolution in der DDR gelang es Anne D. auf Honorarbasis u. a. für die Theater in Halle und Cottbus als Kostümassistentin/-bildnerin zu arbeiten. Nach der friedlichen Revolution von 1989/90 begann Anne D. eine Tätigkeit in der politischen und gewerkschaftlichen Bildungsarbeit.

Herrenjacke, in Heimarbeit genäht, 1980er Jahre

Gärtnerutensilien aus der Gärtnerei Gustav Preuß

Die diversen Objekte (Gießkannentülle, Steckdraht und Holzschilder für Pflanzen) stammen aus der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) "Blühende Zukunft" mit dem Hauptsitz in der Schillerstraße 4/5 in Pankow-Niederschönhausen.
Die Objekte wurden dem Museum von Frau Christel Liebram, geb. Preuß übergeben. Die Familie Preuß besaß in der Kastanienallee in Berlin-Niederschönhausen viele Jahre eine Gärtnerei, die später Teil der GPG "Blühende Zukunft" wurde.

Die im Jahre 1961 in Pankow-Niederschönhausen gegründete Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG) "Blühende Zukunft" war aus dem Zusammenschluss von 23 privaten Gärtnereibetrieben entstanden. Diese waren zuvor bereits der VDGB (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) eingegliedert worden. Von den insgesamt vier Gärtnerischen Produktionsgenossenschaften im Bezirk Pankow produzierte die GPG "Blühende Zukunft" bis 1963 Obst und spezialisierte sich später auf die Zucht von Zierpflanzen und Blumen.
Nach 1990 wurde die GPG "Blühende Zukunft" aufgelöst.

Gärtnerutensilien aus der Gärtnerei Gustav Preuß

Tiegeldruckpresse mit Beistelltisch aus der Druckerei Ebert

Diese Handtiegeldruckpresse stammt aus der Druckerei Karl-Heinz Ebert, Raumerstraße 3 im heutigen Ortsteil Prenzlauer Berg.
Der Briefkopf der Druckerei trägt die Aufschrift: "Seit 1924 - Buchdruckerei Ebert - Herstellung von Formularen, Geschäfts- und Familiendrucksachen". Im Geschäftslogo sind die Buchstaben "B B E" enthalten, in einigen anderen Dokumenten steht "Buchdruckerei Bruno Ebert, Inhaber Karl-Heinz Ebert".
Während ihres Bestehens zog die Druckerei innerhalb von Prenzlauer Berg mehrmals um. Die verschiedenen Standorte sind in den Branchenverzeichnissen der Stadt Berlin unter Buchdruckereien aufgeführt: 1925 bis 1933 findet sich Ebert, B. in der Gaudystraße 18, im darauffolgenden Jahr in der Ückermünder Straße 4, in den Jahren 1935/36 in der Krügerstraße 20 und zwischen 1937 und 1943 in der Pappelalle 24. Die Druckerei war 1957 in der Pappelallee 67 und ab 1961 dann in der Raumerstraße 3.
Im April 1973 hatte Hildegard Ebert, offenbar als Witwe und Erbin von Bruno Ebert, in der Genossenschaft des Graphischen Handwerks von Groß-Berlin e.G.m.b.H. den Antrag auf Betriebsübergabe sowie die Übertragung ihrer Genossenschaftsanteile an den Sohn Karl-Heinz Ebert gestellt. Dessen Eintrittsurkunde vom 10.2.1974 liegt im Archiv des Museums Pankow. Bis 1990 übernahm die Druckerei vornehmlich Aufträge zur Herstellung von Vordrucken und Formularen in kyrillischer Schrift.
Das Familienunternehmen bestand über zwei Generationen. Im Jahre 1992 war Karl-Heinz Ebert gezwungen, auftragsbedingt das Geschäft zu schließen.

Tiegeldruckpresse mit Beistelltisch aus der Druckerei Ebert

Damenschuhe aus der PGH "Hans Sachs"

Diese Damenschuhe wurden von der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) "Hans Sachs" in Handarbeit hergestellt.
Im April 1958 schlossen sich 17 Schuhmacher zu einer Produktionsgenossenschaft zusammen. Ihr Hauptsitz befand sich in der Parkstraße 7-9 in Berlin-Pankow, wo auch die zentrale Werkstatt untergebracht war. Maß genommen wurde in der Schönholzer Straße 12.
In der DDR wurde bis 1989 der überwiegende Teil der Handwerker in Produktionsgenossenschaften des Handwerks zusammengeschlossen. Ziel war es, die Entwicklung eines freien und selbständigen Handwerks zu begrenzen. Durch den Zusammenschluss sollte eine plangemäße, bedarfsgerechte und kontinuierliche Versorgung der Bevölkerung erreicht werden. Die Handwerker mussten hierzu ihre Betriebsmittel in die PGH einbringen und gaben ihre Selbständigkeit auf. Sie waren zugleich Mitglieder und Beschäftigte der PGH.
Anfangs wurde in der PGH "Hans Sachs" hauptsächlich orthopädisches Schuhwerk maßgefertigt, auch wurden Reparaturen ausgeführt. Mit dem Mauerbau änderte sich die Kundschaft. Nun ließen hier auch Militärs, Diplomaten, Künstler und Prominente, z. B. Lotte Ulbricht, die Ehefrau des Vorsitzenden des Staatsrats der DDR, Walter Ulbricht, der Fernsehkommentator Karl-Eduard von Schnitzler sowie die Ensemblemitglieder des DDR-Fernsehballetts ihre Schuhe anfertigen.
1969 verlegte die PGH "Hans Sachs" den Sitz ihrer Verwaltung und die Reparaturwerkstatt nach Wilhelmsruh in die Hauptstraße 1. Anschließend produzierte die Genossenschaft auch für den Export und belieferte u. a. den Otto-Versand in Westdeutschland.
1990 bestand die PGH "Hans Sachs" aus 217 Mitgliedern. 1992 wurde die PGH aufgelöst und die Filialen den jeweiligen Meistern zum Kauf angeboten.

Damenschuhe aus der PGH "Hans Sachs"